Kollisionsgefahr
Schöne Werbung
Für die Zeit des Festivals ist in Avignon wildes Plakatieren gestattet, mit einer einzigen Einschränkung: kein Kleistern. So kommt der gute alte Bindfaden wieder zu Ehren. Binnen kürzester Zeit entwickeln sich an Zäunen, Laternenpfählen, Pollern, Fenstergittern und Fallrohren von Dachrinnen raumgreifende Wucherungen, denen trotz ihres werblichen Charakters ein großer Charme innewohnt. Zum einen sind uns die beworbenen Produkte und Unternehmen sympathischer als die kleinen und großen Marken, die üblicherweise in unser Blickfeld drängen, zum anderen gewinnt die Sache durch die Kleinteiligkeit des Ensembles, die rührend altmodische Befestigungstechnik sowie das anarchische Prinzip der Anhäufung, das als Werbung am Ende vielleicht gar effektiver ist als all das glatte Kalkül, mit dem uns die mit großen Etats operierenden Agenturen zu überrumpeln versuchen.
Unter Mitbürgern
Im Kaufhaus, Kosmetikabteilung:
“Kann ich Ihnen helfen?”
“Ich suche ein Gewürz für einen Mann.”
Meine Tage, Eure Nächte
Was der documenta 12 mit “100 Tage - 100 Gäste” recht war, war der Berlin Biennale billig. Unter dem Motto “Mes nuits sont plus belles que vos jours” gab’s ein Nacht-Programm zur Ausstellung. Dem vollmundigen Lockruf der Veranstalter folgte ich mehrfach, und ich kann denen, die solche Versprechungen machen, eins versichern: Wenn meine Tage so bescheiden und anspruchslos verliefen wie diese Nächte, hätte ich schon vor langem begonnen, mir ernsthaft Sorgen um mich machen. Allerdings muss man der Gerechtigkeit halber vielleicht auch erwähnen, dass große Teile des nächtlichen Programms der Biennale große Teile der tagsüber ausgestellten Kunst deutlich in den Schatten stellten, wenn man das mal so sagen darf. Aber das ist ja auch nicht unbedingt eine gute Nachricht.
Neulich in Madrid
Im Design-Hotel
A: “Hat von Euch schon einer geduscht?”
B: “Ja…”
A: “Und kannst Du mir erklären, wie man das Wasser anstellt?”
B: “Das ist nicht so schwierig, wie es zunächst aussieht. Man muss erst die Armatur nach hinten kippen und sie dann drehen, um die Temperatur zu regeln.”
C: “Und wie macht man, dass das Wasser von oben kommt?”
B: “Da ist hinter der Armatur ein Knopf, den man rausziehen muss.”
D: “Ja, den habe ich auch gefunden. Aber wie stellt man das Wasser wieder ab? Bei mir im Zimmer läuft’s immer noch.”
Unter Mitbürgern
Am Straßenrand parkt ein Auto mit ausländischem Kennzeichen, eindeutig im Halteverbot, aber ohne irgend jemanden zu behindern. Der Fahrer sitzt hinter dem Steuer und ist eingenickt. Neben dem Auto steht eine Mitarbeiterin des Ordnungsamts und erfasst den Tatbestand. Die Frage, ob es nicht einfacher wäre, den Fahrer zu wecken und zum Weiterfahren aufzufordern, anstatt einen Strafzettel zu schreiben, beantwortet sie in bellendem Ton mit den Hinweis, dass es wirklich nicht nötig sei, ihr zu erklären, wie sie ihre Arbeit zu erledigen habe. Die Welt zu Gast bei Freunden.
Man’s Best Friend
Der ideale Geselle für den Stadtneurotiker: Sieht aus wie das Original, ist zwar in der Anschaffung nicht ganz billig, dafür fallen aber keine Ausgaben für Futter oder Tierarzt an, Hundesteuer entfällt ebenfalls, vom lästigen Gassi-Gehen ganz zu schweigen. Das Objekt kommt in der serienmäßigen Ausstattung mit Rädern und kann auch als Kleiderständer benutzt werden, ohne dass der Besitzer befürchten müsste, Haare oder Kleinlebewesen könnten dabei vom Fell des Dieners auf das des Herrn wechseln. Und das andere Problem ist dann auch gelöst.
Contrary to popular opinion this isn’t a dog toilet.






